Evang.-Luth. Magdalenenstift Altenburg

Hilfe für Menschen im Kongo e.V.

Am 09.08.2007 konnten wir Frau Pastorin Dr. Hauskeller und Herrn Pfarrer Pazola Tsasa aus dem Kongo zu einem Gemeindeabend im Magdalenenstift begrüßen. Der Bericht über die aktuelle Situation im Kongo, die Missionsarbeit und die Hilfe vor Ort hat uns tief beeindruckt. Die mitgebrachte Ausstellung gestatte lebendige Einblicke in das Leben der Menschen und die vielfältigen Alltagsprobleme. Wir hoffen, dass sich viele Menschen finden, die zukünftig den Verein "Hilfe für Menschen im Kongo" unterstützen. Am 19.08.2007 wurde Pfarrer Pazola Tsasa im Gottesdienst in der Brüderkirche verabschiedet, am 25.08.2007 reist er wieder in den Kongo. Unsere besten Segenswünsche begleiten ihn und die Arbeit für die Menschen im Kongo.

"Die Kirche - Evangelische Wochenzeitung in Mitteldeutschland", berichtete in ihrer Ausgabe 21/2007 über die Arbeit von Pastorin Dr. Christine Hauskeller und Pfarrer i.R. Jürgen Hauskeller im Kongo.

Kongo: Ausgeplündert von ausländischen Konzernen und heimischen Eliten – ein Land im Würgegriff der Korruption

Vier Jahre lebten und arbeiteten sie in der Demokratischen Republik Kongo. Zurück in der Heimat zieht das Thüringer Pfarrerehepaar Hauskeller eine gemischte Bilanz.

Eigentlich ist es ein herrliches, ein reiches Land. Im "schwarzen Herzen Afrikas", wie die ehemals belgische Kolonie auch genannt wird, gedeihen nicht nur Früchte in Hülle und Fülle. Bodenschätze, angefangen von Gold über Diamanten bis hin zum seltenen Erz Coltan, aus dem das für die Handy-Industrie so überaus wichtige Metall Tantal gewonnen wird, könnten dem Land Reichtum und Wohlstand bescheren. "Statt dessen herrschen bitterste Armut, und eine, nach den Hoffnungen in Zusammenhang mit der halbwegs demokratischen Wahl im vergangenen Jahr, um so größere Perspektivlosigkeit", resümiert Christine Hauskeller, die von 2002 bis 2006 vom Bayerischen Missionswerk zur pastoralen Arbeit in die kleine Evangelisch-lutherischen Kirche im Kongo entsandt wurde.

Dennoch: "Lieber heute als morgen" würde die Pfarrerin, die inzwischen als Klinikseelsorgerin im ostthüringischen Altenburg arbeitet, wieder zurück. Christine und ihr "mitreisender Ehemann" Jürgen, Pfarrer im Ruhestand, haben "so viel Liebe, Wärme und Herzlichkeit" der Menschen gespürt. Sie haben nicht im kleinen Ghetto für weiße Ausländer in der Hauptstadt Kinshasa gelebt, auch wenn Jürgen und Christine dort regelmäßig und im Wechsel mit einem katholischen Geistlichen in der kleinen, vor allem aus Geschäftsleuten, Diplomaten und katholischen Ordensleuten bestehenden deutschen Gemeinde gepredigt haben.

Sie lebten bei "ihren" Gemeindemitgliedern und Mitarbeitern der westlichen Diözese der Kirche, die erst in den 60-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts infolge lutherischer Mission aus dem Nachbarland Kamerun entstand. Hier war Christine Hauskeller in einem riesigen Gebiet für die Ausbildung von Evangelisten, Fortbildung von Mitarbeitern und Pfarrern und als "Distriktpastorin" in der Funktion einer Superintendentin in Kinshasa tätig.

"Unzivilisiert sind nicht die Dörfer ohne Strom und Wasser, sondern Menschen, die ohne Gesetz regieren"

32 ausgebildete Mitarbeiter, mehrere neu gebaute Kirchen, viele, viele Taufen ... eine positive Bilanz. Und dennoch auch Traurigkeit: "Das Land blutet aus, wird von ausländischen Unternehmen im Verbund mit den Nachbarländern ebenso geplündert, wie von den heimischen Eliten", sagt Christine. Und Jürgen ruft Zahlen in Erinnerung: "In den vier Jahren unseres Lebens im Kongo floss so viel ausländische Hilfe wie nie zuvor in das Land, dennoch fiel die durchschnittliche Lebenserwartung von 48 auf 42 Jahre, stirbt jedes achte Kind bei der Geburt, behalten Ärzte nach der Geburt von Kindern diese als Pfand in der Klinik, bis die Eltern die Kosten gezahlt haben ..."

Eine Korruption unermesslichen Ausmaßes hält Land und Gesellschaft im Würgegriff. "Bis in die Kirchen hinein gilt der Grundsatz, dass zuallererst der eigene Familienclan zu versorgen ist, erst dann Dinge wie Nation oder Gemeinwohl stehen", so die Beobachtung des Pastorenpaares. "Unzivilisiert sind nicht die Dörfer ohne Strom und Wasser, sondern Menschen, die ohne Gesetz regieren", fasst die Pfarrerin zusammen.

Jürgen Hauskeller kann sich in diesem Zusammenhang über die "Blauäugigkeit" mancher der christlichen wie staatlichen Hilfsorganisationen nur wundern. "Wenn Entwicklungshelfer normalerweise damit rechnen, dass 20 Prozent der Hilfsgelder 'verdunsten', dann sage ich: Im Kongo kommen höchstens 20 Prozent an." Ohne eine straffe Kontrolle geht es nicht. Das gilt auch für das eigene unabhängige Hilfsprojekt, das die Hauskellers in Kinshasa betreuen. Das Ehepaar, das selbst mit drei adoptierten Waisenkindern aus dem Kongo zurückkam, hat ein Waisenhaus für Mädchen gegründet, "denn wenn sonst überhaupt etwas für Kinder getan wird, dann zumeist für Jungs", so die Begründung.

Unter Anleitung einheimischer Mitarbeiter lernen die derzeit 20 Mädchen Dinge wie Körperpflege, Einkauf und Essenszubereitung, erhalten durch einen Privatlehrer einen Grundunterricht. "Jetzt geht es darum, durch einen festen Spenderkreis wenigstens die 300 Euro an monatlichem Essensgeld insgesamt für die 20 Mädchen verlässlich zusammenzubringen", so Jürgen Hauskeller. Ein gerade gegründeter Verein soll dabei helfen, Mitstreiter werden gesucht. Pfarrer Bazola Tsasa, der das Projekt vor Ort betreut, wird ab Pfingsten für ein viertel Jahr zu Besuch in Deutschland sein und auch das Waisenhaus und die Arbeit dort vorstellen.

Kontakt:
"Hilfe für Menschen im Kongo", Vorsitzende Dr. Christine Hauskeller,
Baderei 11, 04600 Altenburg, Telefon: (03447) 51 13 99, E-Mail: christine.hauskeller(at)kyf-net.de

Quelle: "Die+Kirche - Evangelische Wochenzeitung in Mitteldeutschland", Ausgabe 21/2007, Verfasser: Harald Krille